Gandalf, Mithrandir, Olorin

Gandalf, Mithrandir, Olorin
Gandalf, Mithrandir, Olorin

Schon als man Gandalf noch Olorin nannte, statt viel später dann Gandalf und Mithrandir, wartete er geduldig auf die Menschen.

Es gab die Menschen noch nicht, doch wussten wir, dass es solche Wesen geben musste.

Und die Maiar, das Volk von jenem, der damals nur Olorin hieß, ebenso wie die Valar, glaubten daran, dass es so kommen würde, wie wir alle es uns seit Anbeginn erzählten.

Olorin aber hatte schon immer seine eigene Art, die Welt zu beschreiben. Weshalb ich ihn selbst zu Worte kommen lassen muss.

Menschen haben einen eigenen Willen

Sobald wir Sonne, Mond, Sterne und all die grüne Natur, Meere und Flüsse wie Tiere aller Art erschaffen haben würden und alle in Frieden miteinander leben würden, sollte es Wesen geben, die uns ähnlich sein würden.

Jene, die uns wie aus dem Gesicht geschnitten schienen, nur etwas schwächer sein würden als wir, die Elben.

Und so geschah es denn auch.

Und wenn dies geschehen, sollte es die Menschen geben. Wesen wie wir, aber mit der Gabe des eigenen Willens gesegnet. Was gleichbedeutend war damit, dass sie sterben konnten. Und mussten. Wirklich sterben, nicht so wie die Elben in Mandos Hallen wartend auf das Ende der Welt.

Was es mit dem Sterben der Menschen, diesem wirklichen Sterben, auf sich haben könnte, wussten wir nicht, denn wirkliches Sterben war uns, den Valar und Maiar und Elben, unbekannt.

Doch musste es etwas Großartiges sein, wenn es einher ging mit einem eigenen Willen. Schwer überhaupt nur vorstellbar. Niemand von uns hatte so etwas wie einen eigenen Willen. Melkor ja, verlangte es danach. Schöpfer wollte er sein wie Eru.

Was die Sache für uns nicht besser machte. Nur Eru stand es zu, die Welt zu erträumen, die wir dann erschufen. Und ich, Gandalf, der damals noch Olorin hieß, wie der alte Tom es schon sagte, war ein getreuer Diener von Eru.

Der weiseste der Maiar, nie hätte ich gewagt auch nur zu denken, was Melkor unüberhörbar verlangte für sich.

So stand es um uns in Valinor – bevor wir die ersten Menschen entdeckten. Wir sehnten uns nach ihnen, ich für meinen Teil zumindest, ich sehnte mich sehr nach den Menschen.

Lange Zeit war ich, noch Olorin, bei Nienna

Eigens bei Nienna lernte ich mehr als ein Zeitalter lang die Kunst der Geduld. Warten, das ist es, was ein Maiar können muss, warten, warten. Niemals vorschnell handeln.

In den Hallen von Nienna hörte ich denn auch, vertieft in´s Warten, dass es seit einiger Zeit nun Menschen gäbe auf der anderen Seite des großen Wassers.

Melkor hatte sie entdeckt und nun, nachdem einige Menschenleben schon vergangen waren, schienen sie ziemlich ängstlich zu sein. Obwohl auch tapfer und eigensinnig, das musste es wohl sein, wie sich ihr eigener Wille zeigte.

Und so würde unser Warten auf den Segen, den wir uns von den Menschen erhofften, noch immer kein Ende haben. Mit ihrer Gabe nämlich, sterben zu können, so schien es Nienna, konnten die Menschen nichts anfangen.

Sie leben so kurz nur und fast ihr ganzen Leben lang scheinen sie vor allem eines zu tun: Sich vor ihrem Tod zu fürchten.

Denn sie erinnern sich nicht. Verstehst Du, Olorin, fragte mich Nienna.

Die Menschen können handeln, denn sie können Fehler machen. Selbst große Fehler. Sie sterben und können von vorn beginnen. In neuer Gestalt. Sie können lernen aus ihren Fehlern.

Doch ach,  sie lernen nicht. Denn sie erinnern sich nicht. Oder schon, doch nicht sich selbst.

Wir müssen warten Olorin, weinte sie. Hab Geduld. Eines Tages wird es Menschen geben. Die sich erinnern.

Der Elessar ist meine Hoffnung

Warten, warten und niemals sich wandeln. Und die Menschen vermochten es, sie taten es. Doch wussten sie nichts davon. Sodass sie wohl möglich gar noch weniger froh wurden mit sich als wir.

Was sollte aus dieser Welt werden, die so wunderbar ersonnen worden war? Morgoth der jenseits des Meeres, dort wo die Menschen und auch einige Elbenvölker wohnten, wütete, ward besiegt worden, endlich, ja.

Und den Menschen wurde eine Insel geschenkt, Numenor, eine Insel, auf der sie viel länger leben konnten als bisher. 500 Jahre, so hieß es. Doch das war es nicht, was sie wollten. Sie wollten noch immer wie wir sein. Was für ein Jammer!

Für sie und für uns.

Doch dann kam ein Funken Hoffnung in unser einsames Warten in den Hallen der Nienna. Der Elessar. Die Valar hatten ihn mir gebracht, verbunden mit dem Auftrag, ihn, diesen grünen Edelstein, den Menschen zurück zu bringen.

Denn es hieß, dass es zwei Menschen waren, die ihn ersonnen hatten. Ein Menschenpaar, das sich erinnern wollte. An sich und den anderen. Sie wussten offenbar, wie kostbar und wie fragil ihre Gabe, sich zu wandeln ist. Sie brauchten ihren Elessar.

Und so verließ ich das Land der Wartenden. Ich konnte etwas tun, dass auch wir uns wandeln lernen würden. Ja, sagte mir Nienna zum Abschied, und es wurde ein Abschied auf lange Zeit, wir werden lernen können von den Menschen.

Hab Geduld, Olorin, der Du nun Gandalf heißen wirst. Und alt sein wirst wie es nur Menschen kennen. Diese Gestalt, Gandalf, mein Freund, wird dir helfen, sie zu verstehn.

Quellen von „Gandalf, Mithrandir, Olorin“:

Bildquellen: © Lotro (Herr der Ringe online) / elessarion.de
Figuren, Items, Orte, Historie © J.R.R. Tolkien
Elessar Geschichten © elessarion.de

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